Nepomuk – Geburtsort von Johannes

„Iohannes natus quondam Welflini de Pomuk, clericus
Pragensis dyocesis, publicus auctoritate imperiali notarius - Johannes, Sohn
des verstorbenen Welflin von Pomuk, Kleriker der Prager Diözese, aus Kaisers
Kraft öffentlicher Notar“.
Schon diese erste bekannte einfache Formel in der Notarbescheinigung von
1369 enthält alles, was man über die Jugend des Heiligen erfahren kann. Wenn
Johannes von Pomuk in 1369 öffentlicher Notar war, muss er mit Sicherheit
älter als zwanzig Jahre gewesen sein. Er wurde somit wahrscheinlich
irgendwann in der Zeit zwischen 1340 und 1350 geboren. Zu dieser Zeit gab es
in Böhmen an die fünf Pomuks. Trotzdem gibt es bei der Bestimmung des
Geburtsortes keine Zweifel. Es handelte sich um eine Marktgemeinde in der
Nähe eines gleichnamigen Zisterzienserklosters, dass vom Hauptkloster in
Ebrach in 1145 gegründet wurde. Der Abt des Pomuker Klosters wurde in 1234
von König Wenzel I. zur Bestellung von Richtern ermächtigt, die in Pomuk und
Blovice über Verbrecher richten sollten, die auf dem Klosterbesitz
aufgegriffen wurden. In den Jahren 1355 – 1367 wird in Pomuk, dessen Namen
bereits seit der Hälfte des 13. Jahrhunderts auch als Nepomuk geführt wird,
wobei dieser Name den älteren verdrängte, wird der Richter Welflin oder
Wölflin erwähnt, der üblicherweise für den Vater von Johannes gehalten wird,
dem vom Abt des Klosters das Richterrecht verliehen wurde. Der Name selbst
(Verkleinerungswort des deutschen Wolfgang) deutet seine deutsche Abstammung
an. Sein Amt brachte ihm möglicherweise auch eine gewisse Wohlhabenheit.
Notar Johann war offenbar ein Nachkomme von Kolonisten, die insbesondere im
13. Jahrhundert kamen, um böhmische Klostergüter zu besiedeln. Über die
Mutter von Johannes weiß man nichts. Der kleine Johannes kann in der
St.-Jakobs-Kirche getauft worden sein. Für seine Grundausbildung, die er bei
dieser Kirche oder im Kloster von Pomuk erworben haben konnte, gibt es keine
Bestätigung.

Kloster |

St.-Jakobs-Kirche |
Der Überlieferung zufolge befand sich das Geburtshaus von
Johannes an der Stelle der heutigen Wallfahrtskirche des hl. Johannes von
Nepomuk. Angeblich stand hier das Haus „Zum heiligen Johannes“ und Leute
kamen oft her um zu beten. In 1639 wird es zusammen mit den benachbarten
Häusern auf Anregung von Kaspar Drauškovius Graf Franz Matthias von
Sternberg und gründet hier nach deren Abriss ein kleines Heiligtum zu Ehren
von Johannes. Die Kirche wurde erst in 1654 fertiggestellt und wurde Johann
dem Täufer geweiht, weil Johannes von Nepomuk damals noch nicht
heiliggesprochen war. Sie brannte zusammen mit der Stadt in 1689 nieder,
zwei Jahre später war sie aber wieder erbaut. Nach Johannes Heiligsprechung
in 1729 strömten zahlreiche Prozessionen nach Nepomuk und die kleine Kirche
konnte so viele Pilger nicht fassen. In 1734 – 1738 wurde sie durch eine
neue Kirche des hl. Johannes von Nepomuk und des hl. Johannes des Täufers
ersetzt, die wahrscheinlich nach den Plänen des bekannten Architekten Kilian
Ignaz Dienzenhofer erbaut wurde. Es handelt sich um ein merkwürdiges, nicht
orientiertes Bauwerk mit der Hauptfassade nach Süden. In der Mitte des
Kirchenschiffs befindet sich ein kleiner Altar, angeblich direkt dort, wo
die Wiege des Heiligen stand. In Wirklichkeit sind wir jedoch nicht
imstande, die genaue Stelle der Geburt von Johannes zu bestimmen.
Hunderte von Kirchen weltweit sind dem hl. Johannes von Nepomuk geweiht.
Aber nur eine steht in seinem Geburtsort an der Stelle eines älteren
Heiligtums, das als erstes zu Ehren von Johannes erbaut wurde.

Nachbildungen aus dem Stich nach K. Škréta |

Nachbildungen aus dem Stich nach K. Škréta |
Mgr. Luděk Krčmář